Corona: Sind Jugendliche die Vergessenen der Krise?

Corona In einer digitalen Diskussion der Grünen sprechen Jugendvertreter und junge Menschen über ihre Situation

 

Allgäu Vor der Kamera sitzen gefrustete Jugendliche. Hinter ihnen hängt ein Schild mit der Aufschrift Kreisjugendring Unterallgäu. Auf die Frage, wie es ihnen derzeit geht, antwortet ein Junge kurz: „Scheiße“. Ein anderer drückt es zwar nicht ganz so vulgär aus, die Botschaft ist aber die gleiche: „Die Krise macht mich einfach nur fertig grade.“ Wie es den Jugendlichen in dieser Krise geht und ob sie von der Politik vergessen werden, beschäftigte die Grünen Ostallgäu und Unterallgäu in einer Online-Diskussion, moderiert von Bezirkssprecher Daniel Pflügl. „Uns gibt’s auch noch!“, lautete der Name der Veranstaltung bei der neben Jugendvertretern auch ein Mitglied der Grünen Jugend und des Jugendbeirats Buchloe von ihrem Alltag erzählten. Der anfangs gezeigte Film mit Fragen an Jugendliche wurde von einem Team um Sandra Müller vom Kreisjugendring Unterallgäu gedreht. Er zeichnet ein trauriges Bild der Situation der Jugend im Corona-Alltag. Auch für Johanna Hölzle ist Alltag gerade alles andere als einfach. „Von Alltag kann man nicht sprechen“. Die Abiturientin ist Mitglied der Grünen Jugend Schwaben und kämpft mit Wechselunterricht und Prüfungsvorbereitung. „Was ich vermisse, sind einfach die Kontakte in der Schule, den Banknachbarn etwas zu fragen, ohne, dass es gleich die ganze Klasse mitbekommen muss.“ Jugendliche leben vom Austausch, vom Miteinander, sind sich die Beteiligten einig. Doch genau das sei ihnen mit der Schließung der Schulen genommen worden, erklärt Holger Jankovsky. Er ist Jugendbeauftragter der Stadt Kaufbeuren. Über Jugendliche, die sich heimlich treffen und damit gegen Kontaktbeschränkungen verstoßen, dürfe man sich nicht wundern, sagt er. Schließlich habe die Politik ihnen jede legale Möglichkeit zur Kontaktaufnahme genommen. Die hohe Bereitschaft der Jugend, Kontakte einzuschränken, sei nach Jankovsky in mehreren Studien aufgezeigt. „Würden Jugendliche Autos bauen, würden sie wohl mehr Aufmerksamkeit bekommen.“ Anders als Hölzle hat Jugendbeirat Lukas Nanos das Abitur schon hinter sich. Was die beiden aber verbindet, ist, das Abitur in einer Zeit der Ungewissheit geschrieben zu haben. Nanos befindet sich als Student schon in einem neuen Lebensabschnitt.

Allerdings ohne Großstadtfeeling und Partys mit Kommilitonen. Einen bleibenden Nachteil für ihre Generation sehen die beiden aber nicht. Im Gegenteil. „Wir sind unglaublich selbstständig geworden“, sagt Hölzle. Und Nanos ergänzt: „Im Corona-Jahr Abitur geschrieben zu haben, kann durch aus ein Qualitätsmerkmal sein.“ In ein paar Jahren, so sind sich die beiden einig, wird es niemanden mehr interessieren, wann genau das Abi gemacht wurde. Wenn die Noten allerdings unter der Situation leiden, dann ist das vor allem für Abschlussschüler schwer. Teilweise haben sie kaum Chancen, ihren Wunschberuf zu ergreifen oder einen Studienplatz zu ergattern. Die bedrückende Situation für Abschlussklassen bestätigt eine Zuhörerin. Sie unterrichte an einer Mittelschule. Ihre Abschlussklassen hätten nicht einmal die Möglichkeit für Praktika. Mit 15 Jahren ein Berufsziel einzuschlagen sei deshalb noch schwieriger. Die Vertreter der Kreisjugendringe fordern vor allem wieder eine Öffnung der Jugendzentren. Damit die Jugend einen Ort hat, an dem sie sich treffen kann – und gehört wird. „Jugendarbeit ist in Zeiten von Corona eine Nischenarbeit“,

sagt der Vorsitzende des Kreisjugendrings Ostallgäu, Alexander Spitschan. (mak)

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