Babenhausen

25.01.2019

Anna Velter leitet das Jugendzentrum in Babenhausen. Wie sie die Mädchen und Jungs beim Erwachsenwerden begleiten will – und wieso die Einrichtung zuletzt oft bangen musste.

 

 

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Frau Velter, Sie haben 2016 die Leitung des Jugendzentrums in Babenhausen übernommen, dessen Träger der Unterallgäuer Kreisjugendring ist. Was hat sich seither dort getan?

Anna Velter: Es war mir wichtig, die Räume neu zu gestalten. Sie waren mir zu wenig attraktiv für Jugendliche. Wir haben da tolle Aktionen daraus gemacht: Die Jugendlichen konnten eigene Ideen einfließen lassen, zum Beispiel Farbwünsche. So sind durch die fleißige Mithilfe der Jugendlichen ein Werkraum, eine Chill-Ecke und ein Spielezimmer entstanden. Die Kinder haben sogar mitgeholfen, den neuen Laminat zu verlegen. Eine Überraschung für die Jugendlichen war der Billardraum – der Tisch war eine Spende des Lions Clubs. Momentan gestalten wir den Discoraum um. Außerdem war und ist meiner Kollegin und mir die Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig. Das Jugendzentrum hat seit 19 Jahren immer noch nicht den Stellenwert in Babenhausen, den wir uns wünschen würden.

Können Sie das erklären?

Velter: Wir haben den Eindruck, dass wir uns oft beweisen müssen. Zeigen, dass es uns gibt. Dabei ist das Juze für viele wie ein zweites Zuhause. Es gab zum Beispiel immer wieder Diskussionen über das Jugendzentrum, zum Beispiel über die Räumlichkeiten, den Außenbereich, Personalkosten und die Öffnungszeiten. Vor Kurzem hat der Gemeinderat beschlossen, die Zuschüsse für die Personalkosten anzuheben, damit wir unsere Zeiten beibehalten können. Da sind wir sehr froh. Die Mitarbeiter und Jugendlichen hat das schon sehr beschäftigt, als nicht klar war, wie es weitergeht und ob wieder Kürzungen anstehen.

Wie wird das Jugendzentrum von den Mädchen und Jungen angenommen?

Velter: Wir haben in Babenhausen sehr hohe Besucherzahlen, verglichen mit anderen Jugendzentren des Kreisjugendrings im Unterallgäu. Dass man keinen Mitgliedsbeitrag zahlen muss, öffnet das Angebot für viele. Ein recht hoher Anteil unserer Jugendlichen hat einen Migrationshintergrund. Viele sind auch Mitglieder in Vereinen wie dem TSV.

Wie sieht die Arbeit mit den Jugendlichen aus?

Velter: Wir bieten ein wöchentliches Programm zur Freizeitgestaltung an. Außerdem finden immer wieder kleinere Ausflüge statt. Wir sind auch Ansprechpartner und helfen den Jugendlichen bei Problemen, ob in der Schule, im Beruf, in der Familie oder bei der Bewerbung. Wir diskutieren viel, nicht nur über Banales, sondern auch über Nachrichten, Politik, Religionen oder das Frauenbild. Demnächst wollen wir wieder mit dem „Runden Tisch“ anfangen, der eine Zeit lang nicht mehr stattgefunden hat. Dazu wollen wir zum Beispiel die Polizei oder die Suchtberatungsstelle einladen, an die die Jugendlichen Fragen stellen dürfen.

Sie arbeiten auch in der Praxisklasse der Mittelschule Babenhausen mit. Lässt sich das mit der Arbeit im Juze verbinden?

Velter: Sehr sogar. Ich bin dort als pädagogische Fachkraft tätig und unterstütze die Schüler bei der Bewerbung, bei Kunstprojekten oder lebenspraktischen Fragen, die sich nach der Schule stellen können, zum Beispiel was Versicherungen oder Wohnungssuche anbelangt. Demnächst können die Jugendlichen auch ein Sozialkompetenztraining durchlaufen. Die Fortbildung dazu werde ich im Februar abschließen. Manchmal reicht die Zeit in der Praxisklasse aber nicht aus, um mit jedem Einzelnen an der Bewerbung oder einem Praktikumsplatz zu arbeiten. Dann besteht die Möglichkeit, nach der Schule im Jugendzentrum weiter zu machen. Auch Schüler, die die Praxisklasse schon verlassen haben, kommen immer wieder auf das Angebot zurück und vereinbaren mit mir einen Termin. Das Jugendzentrum ist offen für alle Kinder und Jugendliche. Wir freuen uns über jeden, der reinschaut.

Gleichzeitig sind Sie als sogenannte "insoweit erfahrene Fachkraft für Kindeswohlgefährdung und sexueller Missbrauch" für den Kreisjugendring tätig. Was steckt hinter dieser Bezeichnung?

Velter: Die Träger von Jugendzentren und auch anderen Einrichtungen müssen eine solche Fachkraft vorweisen. Dies ist eine noch recht neue Auflage. Ich bin die Ansprechpartnerin für alle offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen des Kreisjugendrings im Unterallgäu – also zum Beispiel für die Häuser in Mindelheim, Bad Wörishofen, Ottobeuren und Babenhausen, um die Größten zu nennen. Wenn den Betreuern der Jugendzentren etwas bei einem Kind oder Jugendlichen auffällt, das auf eine Kindeswohlgefährdung oder auf sexuellen Missbrauch hindeuten könnte, dann können sie sich an mich wenden.

Muss man für diese Arbeit besonders sensibilisiert sein?

Velter: Natürlich ist das in den pädagogischen Ausbildungen Thema. Aber auch jeder andere kann Auffälligkeiten erkennen, wenn er aufmerksam ist. Das hat mit Empathie zu tun, denke ich.
 

 

 

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